Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde

Forschungsprojekte

Zum Subjektivierungspotenzial „feministischer“ Diskurse

Bezugnahmen auf die Kategorie Geschlecht als identitätsstiftende Praxis

Das im Bereich der Geschlechterforschung angesiedelte Projekt zielt auf Subjektivierungspotenziale, die feministische Diskurse bereithalten. Bezugnahmen auf die Kategorie Geschlecht sind als identitätsstiftende Praktiken aufgegriffen, die mit – jeweils zu identifizierenden – dispositiven Bedingungen korrespondieren. Antifeministische bzw. so genannte „antigenderistische“ Diskurse werden als Gegendiskurse untersucht, die Rückvermittlung betreffende Aspekte werden von vorneherein mitgedacht.

Die Untersuchung setzt bei biographischen Repräsentationen von Personen an, die sich selbst als Feministinnen/Feministen verstehen. Mithilfe von Schreibaufrufen und narrativen Interviews wird Datenmaterial generiert, das zunächst im Hinblick darauf untersucht wird, was die Akteurinnen und Akteure überhaupt als feministischen Diskursen zugehörig ausweisen. Ziel ist hier u.a. die Klärung der Frage, wovon die Rede ist, wenn aktuell von Feminismen (Plural) gesprochen wird. In weiteren Schritten wird untersucht, welche Subjektivierungsangebote die Akteurinnen und Aktuere implizit oder explizit als ermöglichend beschreiben (Analyse der Vorgabenseite) und wie sie solche praktisch aufgreifen (Subjektivierungs- und Aneignungsweisen, „tatsächliches“ Aufgreifen von Identitätsangeboten). Gleichzeitig werden aber auch als solche beschriebene Überforderungen in den Blick genommen, die mit aus feministischen bzw. frauenemanzipatorischen Diskursen stammenden Subjektvorgaben in Zusammenhang stehen.

Da identitätsstiftende Praktiken mit jeweils bestimmten Formen von Subjektivität zusammenspielen und der empirischen Frage nach den Aneignungspraktiken die Frage nach der Genese emotionaler Verfasstheiten implizit ist, sind Ergebnisse zu erwarten, die im Hinblick auf die Entwicklung von Rückvermittlungsstrategien (Rückvermittlungskonzepte, Kulturvermittlung, Praxistransfer) anschlussfähig sind.