Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde

Europäische Ethnologie/Volkskunde in Kiel

Wir verstehen Europäische Ethnologie/Volkskunde in Kiel als empirisch arbeitende Kulturwissenschaft, die ihren Blick auf die Alltagskultur vorzugsweise in Deutschland und mit vergleichender Perspektive auf Europa richtet. Europäische Ethnologie/Volkskunde in Kiel arbeitet heute interdisziplinär, gegenwartsbezogen und zugleich historisch fundiert. Sie untersucht im weiten Sinn Kultur und ihre Vermittlung und betrachtet sie dabei als sozial bedingt und geschichtlich geprägt.

Erste dezidiert volkskundliche Professur

1958 wurde mit der Ernennung von Kurt Ranke (1908-1985), seinerzeit einer der bedeutendsten deutschen Erzählforscher, die erste dezidiert volkskundliche Professur am Germanistischen Seminar der Universität Kiel eingerichtet. Auf Ranke folgte Leopold Kretzenbacher (1912-2007), der diese Professur von 1961 bis 1966 innehatte und vor allem Themen aus den Bereichen der religiösen Brauch-, Erzähl- und Bildforschung in europäisch-vergleichender Perspektive untersuchte.

Seit 1966 eigenständige Einrichtung und Aufbau der historischen Quellenkartei

Mit der 1966 erfolgten Berufung von Karl-Sigismund Kramer (1916-1998) wurde das Seminar als eigenständige Einrichtung begründet. Kramer, der bereits durch seine im Umfeld der sogenannten Münchener Schule angefertigten Arbeiten zur historisch-archivalischen Volkskunde bekannt war, entwickelte diese Fachrichtung zu einem Kieler Schwerpunkt, unter anderem durch den Aufbau einer historischen Quellenkartei.

Mit der Berufung Kai Detlev Sievers (geb. 1934) wurde das Seminar zwischenzeitlich zu einem Zwei-Professuren-Fach. Nach der Emeritierung von Karl-Sigismund Kramer 1984 wurde das Fach bis zur 1995 erfolgten Berufung von Silke Göttsch-Elten (geb. 1952) durch Kai Detlev Sievers vertreten, der sich in erster Linie alltagskulturellen und sozialgeschichtlichen Fragestellungen in Schleswig-Holstein widmete. Nach der Pensionierung von Kai Detlev Sievers 1997 wurde Andreas Schmidt auf die Professur berufen.

Seit 2001: Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde

Im Jahr 2001 wurde in Kiel das Fach im Zuge der allgemeinen Diskussionen um die Fachidentität in Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde umbenannt. 2018 trat Silke Göttsch-Elten, die den historisch-archivalischen Ansatz nachdrücklich um Aspekte kultureller Diversität, kultureller Verdichtungen und kultureller Ordnungen erweiterte, in den Ruhestand. Zum Wintersemester 2018/19 wurde Sonja Windmüller auf diese Professur berufen.